
Die Bundeswehr, das sind nicht nur die Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, sie ist auch einer der größten Arbeitgeber des Landes. Die beruflichen Möglichkeiten sind vielfältig und reichen vom Reinschnuppern über den freiwilligen Wehrdienst bis hin zum Hochschulstudium. Im Karriereberatungsbüro Bad Reichenhall wird man ausführlich beraten.
Nach oben durchlässig
Isabelle ist Soldatin, es ist ihr Traumberuf. Schon der Vater und Großvater dienten in der US Army. „Ich wollte das gerne weiterführen, aber nicht in Amerika, sondern in Deutschland. Also bin ich nach meiner Ausbildung zur Friseurin zur Bundeswehr gewechselt, was ein kompletter Gegensatz ist, aber viel besser zu mir passt.“
Die 27-Jährige ist Oberstabsgefreite, hat die sogenannte Mannschaftslaufbahn eingeschlagen und arbeitet in der Kaserne in Bad Reichenhall in der Personalabteilung, im Fachbereich Reservistenbearbeitung. „Wenn Soldaten auf Zeit, Berufssoldaten und Freiwillig Wehrdienstleistende aus dem aktiven Dienst ausscheiden, können sie über einen Zeitraum von sechs Jahren an einer Dienststelle beordert sein. Wenn eine Abteilung oder Kompanie meldet, dass bei ihnen zum Beispiel krankheitsbedingt jemand ausfällt, dann fragt man bei so einem Reservisten oder einer Reservistin mit entsprechender Qualifikation an, ob er oder sie einspringen und diesen Dienstposten vorübergehend besetzen möchte. Das kann für einen Zeitraum von einer Woche oder auch bis zu zehn Monate lang sein. Meine Aufgabe ist es, das alles zu koordinieren“, erklärt Isabelle. Sie schätzt ihre strukturierte Tätigkeit, in der sie trotzdem viel Handlungsspielraum hat und eigenständig agieren kann. „Ich muss meinen Kopf selbst anstrengen und das mag ich.“ Welche Fähigkeiten man für den Dienst bei der Bundeswehr mitbringen sollte? „Flexibilität. Und man sollte gut mit Menschen umgehen können. Man braucht Feingefühl, darf aber vieles nicht persönlich nehmen“, sagt die Soldatin. Außerdem sollte man sich darüber bewusst sein, dass die Bundeswehr grundsätzlich zur Verteidigung Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger da ist und man jederzeit für einen etwaigen Einsatz herangezogen werden kann.
Die Mannschaftslaufbahn, für die sich Isabelle entschieden hat, ist bei der Bundeswehr eine Tätigkeitsebene mit vielseitigem Aufgabenfeld. Sie eignet sich für junge Menschen mit und ohne vorherige berufliche Qualifikationen. Gefordert wird die Vollzeitschulpflicht. Hauptmann Michael Franz-Josef Noichl vom Karriereberatungsbüro zählt die weiteren Tätigkeitsebenen auf: Wer die Laufbahn der Fachunteroffiziere einschlägt, kann sein Fachwissen bei der Bundeswehr vertiefen und wird zur Spezialistin oder zum Spezialisten des Fachdienstes ausgebildet. Feldwebel wird, wer ebenfalls im Fachdienst tätig ist, zusätzlich als militärischer Vorgesetzter eine hohe fachliche Expertise aufweist und das ihm bzw. ihr unterstellte Personal führt und ausbildet. Daneben gibt es die Feldwebel im Truppendienst, die im militärischen Bereich eingesetzt und ausgebildet werden. Die Offizierslaufbahn ist die höchste Tätigkeitsebene. Nach der Ausbildung und dem Studium sind Offiziere in den unterschiedlichen Aufgabenbereichen der Streitkräfte Entscheidungsträger und Führungskräfte für die ihnen unterstellten Soldatinnen und Soldaten.
„Auch die Laufbahnen der Fachunteroffiziere, der Feldwebel sowie der Offiziere eignen sich für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger. Die Laufbahnen sind nach oben durchlässig, wenn man sich entsprechend weiterqualifiziert“, erklärt Hauptmann Noichl. Diesbezüglich habe die Bundeswehr viel zu bieten. „Soldatinnen und Soldaten haben die Möglichkeit, über unseren Berufsförderungsdienst intern Weiterbildungen zu machen, oder sie können bestimmte Berufe im technischen, kaufmännischen, handwerklichen oder medizinischen Bereich lernen. Bezahlt wird nach Dienstgrad, was deutlich mehr ist als das übliches Azubigehalt. Das gilt auch für alle, die im Rahmen der Offiziersausbildung ein Studium bei der Bundeswehr absolvieren und sich dafür mindestens 13 Jahre als Soldatin oder Soldat verpflichten.“ Jedem, der sich für eine Karriere bei der Bundeswehr interessiert, rät Hauptmann Noichl zu einem Freiwilligen Wehrdienst, der zwischen sieben und 23 Monate dauern kann.
Auch ausgeschiedenen Soldatinnen und Soldaten stehen durch die Bundeswehr diverse berufliche Weiterqualifikationen zur Auswahl. Ziel ist, die Frauen und Männer für den zivilen Arbeitsmarkt so attraktiv wie möglich auszustatten. Der Berufsförderungsdienst unterstützt nicht nur bei der Suche nach Arbeitsplätzen, Ausbildungsplätzen und Praktika. Wer beispielsweise 13 Jahre im aktiven Dienst war, kann danach 60 Monate mindestens 75 Prozent seines Gehaltes weiterbeziehen und bis zu 21.000 Euro abrufen, die ihm bzw. ihr für Prüfungsgebühren, Arbeitsmittel, Bildungsmaßnahmen und ähnliches zustehen. Zusätzlich gibt es für Zeitsoldatinnen und -soldaten, die die Bundeswehr verlassen, ein Ausscheidergeld, dass sich nach der Höhe der zeitlichen Verpflichtung richtet.
Wenn Isabelle möchte und bereit ist, sich bestimmte militärische und zivile Qualifikationen zusätzlich anzueignen, könnte sie von der Mannschaftslaufbahn in die Feldwebellaufbahn aufsteigen. Derzeit fühlt sie sich auf ihrem Posten aber sehr wohl. „Ich kann jedem nur empfehlen, mal bei der Bundeswehr reinzuschnuppern, auch wenn es nur für ein paar Monate ist. Man kommt aus seiner Komfortzone raus und ist mal von zuhause weg. Vielleicht können sich viele junge Menschen gar nicht vorstellen, wie es ist, bei der Bundeswehr zu arbeiten. Aber wer sich durch die Grundausbildung durchgebissen hat, dem stehen zahlreiche Möglichkeiten offen – auch als Frau. Die Bundeswehr profitiert von uns. Vielleicht sind wir körperlich nicht so stark wie Männer, aber trotzdem sind wir genauso leistungsfähig.“ Deshalb geht es für Isabelle jetzt erstmal raus aus dem Büro und mit der Truppe hinauf auf den Berg.
Infokasten:
Zu sämtlichen Fragen rund um militärische und zivile Karrieren bei der Bundeswehr kann man sich bei den Karriereberatungsbüros, zum Beispiel in Bad Reichenhall, Heilingbrunnerstraße 2, oder unter www.bundeswehrkarriere.de informieren.