
Ein Beruf mit Fernweh-Faktor, aber auch mit Verantwortung, Organisationstalent und viel Kundenkontakt. Patricia Sengeleitner hat sich für die Ausbildung zur Tourismuskauffrau entschieden und arbeitet heute im Reisebüro Reiseland, in dem sie auch gelernt hat. Was sie an ihrem Job besonders schätzt: die Vielfalt. Kein Tag ist wie der andere – und jeder Wunsch der Kunden bringt neue Herausforderungen.
Die Ausbildung: Theorie trifft Praxis
„Ich hatte nach der Schule keinen festen Berufswunsch, aber ich fand Reisen immer toll“, erzählt Patricia Sengeleitner. Nachdem sie erst die Mittlere Reife und dann ihr Abitur am Chiemgau-Gymnasium Traunstein in der Tasche hatte, stand sie zunächst vor der klassischen Frage: Was nun? Wie viele andere wollte sie die Zeit nutzen, um sich weiterzuentwickeln und erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Weil damals Corona viele Möglichkeiten blockierte, entschied sich Patricia zunächst für ein Fernstudium und absolvierte ein Jahr Kulturwissenschaften. „Das Studium hat mein Interesse für verschiedene Kulturen und Geschichte geweckt, das ist jetzt im Reisebüro Gold wert“, erinnert sie sich.
Mit diesem Rückenwind entschied sich Patricia dazu, ein Praktikum in einem Traunsteiner Reisebüro Reiseland zu machen. Schnell war klar: Der direkte Kundenkontakt, das individuelle Eingehen auf die Wünsche der Reisenden, erfüllt sie. „Im Praktikum habe ich gemerkt, wie spannend es ist, wenn Menschen mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen zu mir kommen. Jeder Auftrag ist ein kleines Abenteuer“, erklärt Patricia. Diese ersten positiven Erfahrungen legten den Grundstein für ihre Entscheidung, eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau für Privat- und Geschäftsreisen zu beginnen.
Die duale Ausbildung dauert regulär drei Jahre, kann bei guten Leistungen jedoch auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Während dieser Zeit wechselt man regelmäßig zwischen Betrieb und Berufsschule. Das bedeutet: Man lernt nicht nur anhand praktischer Beispiele im Reisebüro, sondern auch theoretisch, wie Buchungssysteme, Geschäftsprozesse und kaufmännische Abläufe im Tourismus funktionieren. Thomas Öllinger, StD, Fachbereichsleitung Handel und Tourismus am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Berchtesgadener Land Freilassing, fasst es so zusammen: „Das wichtigste Fach in der Ausbildung heißt ‚Touristische Prozesse‘. In der 10. Klasse lernen die Auszubildenden zuerst die Grundlagen der Beratung, bei der es darum geht, herauszufinden, was der Kunde wirklich möchte. Diese Gesprächsführung, das Fragen nach Budget, Reisedauer und individuellen Vorlieben, ist das Fundament für den gesamten Beruf.“ Thomas Öllinger betont, dass auch die Destinationskunde einen zentralen Schwerpunkt bildet: „Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie touristische Ziele aufgebaut sind und was sie ausmacht, von den klassischen Strandurlauben in Thailand bis hin zu individuellen Rundreisen in Südafrika. Das Wissen über Reiseziele und deren Besonderheiten ist entscheidend, um Kunden passgenaue Angebote machen zu können.“ Nicht zu vergessen ist das Thema touristisches Marketing. Neben der klassischen Werbung lernen die Auszubildenden, ein Marketingkonzept zu entwickeln, also sich zu überlegen: „Wofür steht unser Reisebüro? Wen wollen wir ansprechen? Welche Reisearten passen zu unserer Kundschaft?“
Vielfalt im Berufsalltag
Im Arbeitsalltag einer Tourismuskauffrau gibt es kaum einen Tag, der dem anderen gleicht. Patricia berichtet: „Man begegnet täglich Menschen mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen. Gestern hatte ich zum Beispiel eine Frau, die nach Ägypten wollte, allein. Da habe ich Hotels rausgesucht, die nicht so groß sind, dafür aber sicher und westlich geprägt, wie in El Gouna. Das ist fast ein geschlossener Ort mit gehobenem Standard.“ Fast parallel arbeitete sie für einen anderen Kunden Flugoptionen nach Salvador aus, inklusive Preisvergleich und Anschlussverbindungen. Patricia muss dabei nicht nur Reiseziele kennen, sondern auch Einreisebestimmungen, Wetterlagen und politische Entwicklungen im Blick behalten: „Wenn jemand nach Zypern will, muss ich wissen, ob es aktuell Einschränkungen gibt.“ Für die tagesaktuellen Vorgaben nutzt sie ein Tool namens Passolution, das direkt in die Kundendatei integriert ist. „Wir geben Nationalität und Reiseziel ein, und das System zeigt uns die geltenden Bestimmungen an, die ändern sich manchmal täglich.“ Zur Buchung selbst arbeitet sie mit TOMA und IRIS.plus, den zentralen Buchungssystemen im Reisebüro. Damit kalkuliert sie in Echtzeit Flugverbindungen, Hotelangebote und Zusatzleistungen und stellt daraus individuelle Reisepakete zusammen. Sollte sich nach der Buchung etwas ändern, etwa ein Flug storniert werden, bleibt Patricia als kompetente Ansprechpartnerin an der Seite ihrer Kundschaft.
Ein besonderes Highlight in ihrem Berufsalltag sind die sogenannten Inforeisen. Dabei handelt es sich um Dienstreisen, bei denen sie selbst Hotels und Reiseziele vor Ort besucht, um sie auf Herz und Nieren zu prüfen. „Ich durfte schon nach Ägypten oder auf die Kanaren“, berichtet sie begeistert. Ein weiterer Trend, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist der Einsatz von Social Media im Reisebüro. Patricia erklärt: „Wir möchten vermehrt die jüngere Zielgruppe ansprechen, und da sind Plattformen wie Instagram ein absolutes Muss. Eigene Urlaubsbilder, Reels von unseren Inforeisen und authentische Stories zeigen, dass wir nicht nur mit Standardangeboten arbeiten, sondern auch flexibel und zeitgemäß beraten.“ Dieser moderne Ansatz ist wichtig, denn obwohl der traditionelle Buchungsprozess im Reisebüro weiterhin eine starke Kundennähe bietet, verändert sich das Konsumverhalten gerade bei den Jüngeren.
Zukunftsperspektiven: Vielseitig und international
Wer seine Ausbildung abgeschlossen hat, muss nicht im Reisebüro bleiben. Der Beruf öffnet Türen zu Veranstaltern, Hotels, Kreuzfahrtgesellschaften, Flughäfen oder Tourist-Infos. Auch Auslandseinsätze oder Jobs auf Kreuzfahrtschiffen sind möglich. „Manche gehen später als Reiseleiter ins Ausland, andere spezialisieren sich auf Geschäftsreisen“, erklärt Öllinger.
Und dann kann man noch zwischen verschiedenen Weiterbildungen wählen: „Es gibt den Tourismusfachwirt bei der IHK oder den Betriebswirt, je nachdem, in welche Richtung man sich entwickeln möchte.“ Auch ein anschließendes Studium, etwa in Tourismusmanagement, ist möglich, manchmal sogar dual, wie Patricia sich bereits informiert hat. „Ich könnte mir schon vorstellen, später noch mal was draufzusetzen, vielleicht im Bereich Vertrieb oder Marketing.“
Geografie, Beratung, Technik, Kommunikation, Organisation – all das fließt im Berufsbild zusammen. Wer sich für die Ausbildung interessiert, sollte kontaktfreudig sein, ein Gefühl für Menschen haben und sich auf unterschiedliche Wünsche und Persönlichkeiten einstellen können. Praktika helfen beim Reinschnuppern. „Dann merkt man schnell, ob man sich das vorstellen kann“, sagt Patricia. „Es ist ein Job mit Verantwortung, die Leute geben einem ihre schönste Zeit im Jahr in die Hand. Und wenn jemand zurückkommt und sagt: Der Urlaub war perfekt, dank Ihnen, das ist einfach ein tolles Gefühl.“